FOMO- The Fear Of Missing Out

DEUTSCH / ENGLISH VERSION

(DEUTSCH)

Ich beschäftige mich unheimlich gern mit den verletzlichen Seiten des Menschen. Mit den Seiten, die wir alle gern voreinander verbergen, weil wir sie oft für nicht liebenswert halten. Es ist schon paradox, dass es genau diese Seiten von uns selbst sind, die uns menschlich machen. Unsere Traurigkeit und unser Frust, unsere Wut und unsere Unsicherheiten, unsere Ängste nicht zu genügen… jeder Mensch kennt doch diese Momente und daher sind es eben diese, die uns alle miteinander verbinden, egal welche Sprache wir sprechen, wie wir leben oder aussehen.

Wir Menschen streben so sehr nach Individualität. Ich habe den Eindruck, dass dieses Streben in der heutigen Zeit noch stärker geworden ist, in der auch der Vergleich durch Social Media Kanäle noch viel mehr Futter bekommen hat. Wir sehen die schönen Bilder der anderen und bei allen scheint es immer nur gut zu laufen! Was wir vergessen, weil wir es nicht sehen können ist, dass diese Menschen genau so struggeln auf ihrem Weg. Egal wie erfolgreich jemand auch sein mag, am Ende des Tages ist er/sie auch nur ein Mensch, der geliebt werden will und den Sinn seines Lebens sucht. Wir sind alle auf der Reise.

Das Streben nach Individualität ist dem Streben nach Zugehörigkeit oft entgegen gesetzt. Es ist sind zwei sehr urtümliche Grundbedürfnisse im Menschen: Zugehörigkeit zu einer Gruppe / Gemeinschaft (welche in Urzeiten das Überleben gesichert hat) und Selbstverwirklichung, den eigenen Platz in dieser Gruppe / Gemeinschaft / in der Welt / dem eigenen Leben, zu finden.

Oft stehen sich diese beiden Bedürfnisse gegenüber und wir müssen uns entscheiden:

Wollen wir dazu gehören und uns anpassen, oder wollen wir unseren ganz eigenen Weg gehen und unsere Individualität formen? Ich glaube, dass wenige Menschen wirklich eine eigene Individualität entfalten können, da sie nicht den Mut haben sich selbst wirklich tief zu begegnen und auch für längere Zeiten und Phasen allein zu sein. Vielen macht es Angst alleine zu sein, dabei ist Alleinsein ab und zu unglaublich heilsam und wichtig. Jeder von uns ist individuell und einzigartig, aber wenige Menschen kennen sich selbst wirklich. Und sich selbst kennen zu lernen ist die Voraussetzung für ein Leben, das wir nach uns selbst, unseren Bedürfnissen und Wünschen ausrichten können.

Die Angst etwas zu verpassen ist bei uns allen immer wieder so groß, dass wir ständig im Außen sind, statt mal nach Innen zu gehen. Paradoxerweise verpassen wir so aber oft uns selbst.

Dazu fällt mir ein wunderschönes Gedicht von Rilke ein:

Über die Geduld

(von Rainer Maria Rilke)

„Man muss den Dingen  die eigene, stille  ungestörte Entwicklung lassen,  die tief von innen kommt 

 und durch nichts gedrängt  oder beschleunigt werden kann,  alles ist austragen – und  dann gebären… 

Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt  und getrost in den Stürmen des Frühlings steht, ohne Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte.  Er kommt doch! 

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,  die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,  so sorglos, still und weit… 

 Man muss Geduld haben  Mit dem Ungelösten im Herzen,  und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,  wie verschlossene Stuben,  und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache  geschrieben sind. 

 Es handelt sich darum, alles zu leben. 

Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,  ohne es zu merken,  eines fremden Tages  in die Antworten hinein.“

(Anmerkung:  Diese Zeilen stammen aus einem Brief von Rainer Maria Rilke „an einen jungen Dichter“ (Franz Xaver Kappus), in dem sie eingestreut sind.) 

Lernen wir die Fragen selbst lieb zu haben. Und eines Tages leben wir vielleicht, von uns selbst unbemerkt, von innen nach außen, in die Antworten hinein…

Eure Hanna Blume :*

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(ENGLISH)

I really enjoy dealing with the vulnerable aspects of people. With the pages that we all like to hide from each other because we often consider them unlovable. It is paradoxical that it is precisely these sides of ourselves that make us human. Our sadness and frustration, our anger and our insecurities, our fears of not being satisfied … everyone knows these moments and therefore it is precisely these moments that connect us all, no matter what language we speak, how we live or look.

We humans strive so much for individualism. I have the impression that this striving has become even stronger today, in which the comparison through social media channels has received a lot more fodder. We see the beautiful pictures of the others and everything seems to go well! What we forget, because we cannot see it, is that these people are pounding on their way just like that. No matter how successful someone may be, at the end of the day he / she is just a person who wants to be loved and seeks the meaning of his life. We are all on the road.

The pursuit of individualism is often opposed to the pursuit of belonging. There are two very primeval basic needs in humans: belonging to a group / community (which in primeval times ensured survival) and self-realization to find one’s own place in this group / community / in the world / one’s own life.

Often these two needs face each other and we have to choose:

Do we want to belong and adapt, or do we want to go our very own way and shape our individuality? I believe that few people can really develop their own individuality because they do not habe the courage to meet themselves really deeply and to be alone for longer times and phases. Many are scared to be alone, but being alone incredibly important from time to time. Each of us is individual and unique, but few people really know themselves. And getting to know yourself is the prerequisite for a life that we can align with ourselves, our needs and desires.

The fear of missing something is so great in all of us that we are constantly on the outside instead of going inside. Paradoxically, however, we often miss ourselves this way.

A beautiful poem by Rilke comes to my mind:

About the patience

(by Rainer Maria Rilke)

You have to give things their own, quiet undisturbed development that comes from deep within

and nothing can be pushed or accelerated, everything is carried through – and then give birth …

Ripe like the tree that does not press its sap and stands confidently in the storms of spring, without fear that no summer might come behind it. He’s coming!

But he only comes to the patient ones who are there as if eternity lay before them, so carefree, quiet and wide …

You have to be patient with the unresolved in your heart and try to love the questions yourself, like locked rooms and like books that are written in a very foreign language.

It’s about living everything.

If you live the questions, you may gradually, without realizing it, live into the answers on a strange day.“

(Note: These lines come from a letter from Rainer Maria Rilke „to a young poet“ (Franz Xaver Kappus), in which they are interspersed.)

Let’s learn to love the questions ourselves. And one day we might, unnoticed by ourselves, live inside out, into the answers …

Your Hanna Blume :*










	

First Aid Kit: Mindful Living

Wir leben in ungemein herausfordernden Zeiten. Alte Strukturen zerbröseln im Außen ebenso wie im Innen und das Neue ist für viele Menschen noch nicht spürbar. Ob es überhaupt neue Strukturen gibt und ob diese heilsam sein werden ist für Viele ein einziges großes Fragezeichen.

Es bilden und verhärten sich die Fronten überall und während die Einen sich verzweifelt an den bestehenden „Größen“ festhalten und versuchen sich an vorgegebenen Richtlinien zu orientieren, sind die Anderen voller Misstrauen und Theorien darüber was denn nun wirklich momentan vor sich geht … und dazwischen gibt es ganz viele Abstufungen.

Was ist denn nun aber wahr? Was unwahr? Niemand weiß mehr recht was los ist und alle stochern im Nebel, selbst die, die scheinbar unverrückbar „die Wahrheit“ zu kennen meinen.

Ja, wenn etwas diese momentane Zeit ausmacht, dann sind es die omnipräsenten Unsicherheiten. Die Zustände sind für viele Menschen kaum aushaltbar. Ihr „altes“ Leben ist auf einmal nicht mehr leb- und spürbar und wie es anders weitergehen könnte wissen sie auch nicht.

Ein verzweifelt zerrissener Zwischenzustand.

Doch gerade in herausfordernden Zeiten wachsen wir über uns hinaus, wenn wir das nur wollen. Veränderungen zum Positiven sind nicht immer angenehm, oder leicht- aber immer möglich.

Wir können zB. bewusst die Opferrolle verlassen, uns der Situation nicht mehr hilflos ausgeliefert fühlen und stattdessen bewusst das in die Hand nehmen, was wir ändern und beeinflussen können:

Unseren Umgang mit uns selbst und Anderen.

z.B.

  • Wie oft wir uns Nachrichten anhören / ansehen.
  • Wie sehr wir mit anderen Menschen darüber streiten und diskutieren, wer denn nun Recht hat.
  • Wie schnell wir uns von anderen Menschen abwenden, die vielleicht eine andere Meinung vertreten als wir.
  • Wie oft wir täglich über die „Probleme“ und momentanen Einschränkungen nachdenken, darüber klagen oder jammern.

Das haben wir in der Hand.

Wir können zum größten Teil entscheiden wie es uns geht und das nennt sich Innere Freiheit. Es ist dieser Raum zwischen dem was mir geschieht (im Außen) und meiner Re-Aktion darauf (von Innen nach Außen).

Wir können entscheiden diese zermürbende Situation als Chance für unsere Entwicklung zu begreifen. Dadurch, dass wir so sehr auf uns selbst zurückgeworfen sind, setzen wir uns auch anders mit uns auseinander. Wir sind quasi gezwungen dazu mehr Zeit mit uns selbst zu verbringen.

Das kann sehr heilsam sein! Es zeigt dir, wie sehr du vielleicht immer im Außen warst und wie wenig du es mit dir allein aushältst, oder wie wenig du dich selbst leiden magst. Das kann weh tun, ja! Doch es ist Medizin, wenn auch eine Bittere.

Wir dürfen endlich begreifen, dass alles was uns in unseren Leben widerfährt uns dabei helfen möchte zu wachsen. Und glaube mir, ich weiß wovon ich rede. Ich habe wirklich schwere Jahre hinter mir. Aber diese haben mich eben stärker gemacht und wachsen lassen.

Denn ich habe immer wieder entschieden, dass ich nicht aufgebe- immer wenn ich schon kurz davor war. Es ist stets auch unsere Wahl, ob wir an den Umständen zerbrechen oder durch sie unsere Innere Stärke entwickeln.

In der momentanen Zeit zeigt sich welche Strategien du hast um mit Situationen umzugehen, die dich aus deinen gewohnten Sicherheitszonen schleudern

in den Freien Fall.

Da nützt es dir eben nichts dich an irgendwelchen alten Konzepten und gewohnten Verstandeskonstrukten festzuhalten. Diese sind wie Airbags, die dich in deinem bisherigen Alltag „abgepuffert“ haben, wenn es mal geknallt hat, die dir aber in dieser so andersartigen Situation Null helfen.

Das Einzige was dir hilft ist, dich ganz auf die Ungewohnte einzulassen. Die Arme weit auszubreiten und das Neue in Empfang zu nehmen, die unangenehmen Gefühle, die damit einher gehen zu akzeptieren und eigene Strategien zu entwickeln dir selbst zu helfen.

Dabei musst du aber zum Glück das Rad nicht neu erfinden. 😉

Denn es gibt schon ungemein tolle und hilfreiche Konzepte, die viele kleine Momente erleichtern. Und aus kleinen Momenten besteht schließlich der ganze Tag- oder nicht? Eines dieser Konzepte ist so „alt“ wie aktuell. Eine kleine feine Erinnerung an das wirklich Wichtige im Leben:

Achtsamkeit oder auch Mindful Living.

Warum Achtsamkeit ein Erste-Hilfe-Kasten ist möchte ich dir gern erklären.

Schau, wir machen uns das Leben meistens selbst noch viel schwerer als es wirklich ist. Wir spielen Ängste und Szenarien bis zum bitteren Ende in unseren Gedanken durch,- die dann unsere Gefühle verletzen. Wir denken, dass andere uns so oder so sehen. Dass wir für bestimmte Eigenarten verurteilt werden, oder dass uns Schlimmes widerfahren wird.

Wir gehen oft vom Schlechtesten aus und das Wenigste davon geschieht uns jemals wirklich. Dem Körper ist es allerdings egal, ob die Dinge „nur“ in unserem Kopf passieren, oder uns tatsächlich widerfahren. Er schüttet die gleichen Botenstoffe aus und fühlt die selben Stressgefühle, als würde es uns wirklich in diesem Moment passieren.

Vielleicht kennst du diese Parabel?

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Ein buddhistischer Meister wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so glücklich sein könne.
Er sagte: „Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich gehe, dann gehe ich, wenn ich sitze, dann sitze ich, wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich liebe, dann liebe ich.“
Dann fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten: „Das tun wir auch, aber was machst Du darüber hinaus?“
Er sagte wiederum: „Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich gehe, dann gehe ich, wenn ich sitze, dann sitze ich, wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich liebe, dann liebe ich.“
Wieder sagten die Leute: „Aber das tun wir doch auch!“
Er aber sagte zu ihnen: „Nein – wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon, wenn ihr steht, dann lauft ihr schon, wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.“

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Die „Moral der Geschichte“ ist deutlich oder? Wir verpassen das, was wirklich um (und in) uns passiert und verrennen uns in unseren To-Do-Listen, Vorhaben und (Horror-) Szenarien. Doch all‘ das ist nicht real.

Es ist nicht JETZT.

Achtsamkeit kann uns für den jetzigen Moment wieder öffnen, empfänglich machen und uns in die Wirklichkeit zurück holen. Es ist doch so, dass eh schon schwierige Situationen manchmal die Hölle werden- nur durch unsere Gedanken, die wir darum bauen.

Je achtsamer, bewusster und vor allem liebevoller wir uns selbst beobachten lernen, desto verständnisvoller können wir mit uns sein:

  • Wir lernen uns selbst zurück zu holen wenn wir zu sehr am Träumen sind.
  • Wir lernen unsere Ängste von haushohen Ungeheuern auf ein gesundes Maß zurück zu schrumpfen.
  • Wir lernen pragmatisch und gelassen den Unruhen des Lebens zu begegnen und aus dem jeweiligen Moment heraus zu agieren.

Das gelingt natürlich nicht von heute auf morgen, sondern braucht Übung, wie alles im Leben.

Aber Achtsamkeit für die kleinen Dinge des Alltags- das Trinken eines Tees aus deiner Lieblingstasse, das bewusste Fühlen deines weichen Lieblingspullis auf der Haut, das Gefühl deines schlagenden Herzens oder das bewusste, langsame Abwaschen deines Geschirrs, kann dir ein enorm beruhigendes und wichtiges (!) Gefühl von Geborgenheit schenken.

Und wenn du lernst dir selbst Heimat zu sein, dann bringen dich die äußeren Umstände auch nicht mehr so leicht aus der Fassung.

Achtsamkeit zu trainieren, muss nicht bedeuten, dass du auf einem Kissen sitzt und meditierst. Auch das bewusste Fegen, sich Anziehen oder Tisch decken kann eine „Achtsamkeits-Übung“ und durchaus meditativ sein, wenn du es einfach langsamer tust.

Achtsamkeit ist immer wieder ein so wichtiger Schlüssel für die Meisterung herausfordernder, kleiner und großer Lebenssituationen. Ich wünsche dir und mir, dass wir ihn bewusster und öfter nutzen um uns unsere innere und äußere Welt mit mehr Liebe und Zuwendung zu erschließen und somit wieder ein kleines Stückchen heiler zu machen.

Deine

Hanna Blume

Vergebung: der Königsweg zur inneren Freiheit

Ein Riesen-Thema… wo soll ich da bloß anfangen? Vielleicht einfach direkt beim wichtigsten Punkt: Vergebung ist ein Prozess und geschieht nicht über Nacht.

Wir können nicht auf Knopfdruck vergeben, weil wir es „wollen“. Ja- der Wille zu vergeben ist die Grundvoraussetzung, aber wirkliche, tiefgreifende Vergebung, braucht Zeit und Erkenntnis, die neue Bewusstseinsprozesse erst möglich machen. Denn wenn wir vergeben, dann lassen wir los von dem was uns schmerzt. Und bevor wir das wirklich können muss der Schmerz, die Ursache für unseren Hass und Groll, gesehen, akzeptiert, anerkannt und von uns tief gefühlt werden.

Erst dann- und nur dann- werden wir wirklich bereit sein ehrlich von ihm loszulassen. Wie das so ist mit Gefühlen… sie sind Energie. Und Energie verschwindet nie, sie wandelt sich nur.

Ein kleiner Exkurs zum Fühlen. Alles was wir unterdrücken an Gefühlen, drückt sich anders aus, blockiert uns und macht uns im schlimmsten Falle krank. Denn unsere Gefühle (JEDES Gefühl) hat seine Daseinsberechtigung und ist ein wichtiger Ausdruck unseres ursprünglichsten Selbst. Gefühle sprechen eine klare, direkte und ehrliche Sprache. Sie sind eine Kraft und wollen in den Ausdruck kommen. Wenn sie es nicht auf dem direkten Weg dürfen, weil wir ein Gefühl als negativ abstempeln und innerlich abwehren, suchen sie sich andere Wege… wie ein Fluss der, wenn man ihm Steine in den Weg legt, andere Wege hinaus sucht und auch findet.

Was lernen wir daraus? Das, was wir daran hindern auf natürlichem Wege nach außen zu gelangen, richtet sich innerlich gegen uns, wenn wir nicht bewusst damit umgehen. Wir stagnieren, bleiben in längst vergangenen Kapiteln unseres Lebens verhaftet, halten krampfhaft unsere Lebensenergien fest, leiden unter Depressionen (engl. „depression“-„depressed“-unterdrückt) oder schlimmerem.

Wenn wir seelische, tiefe Verletzungen erfahren haben (und die haben wir alle auf die ein oder andere Art und Weise,) dann hinterlässt das Spuren. Wenn wir aber nie gelernt haben unsere Gefühle auszudrücken und bewusst mit ihnen umzugehen und sie stattdessen verdrängen, vergessen wir ihre Ursachen- die Verletzung- und verlieren damit auch die Zugänge zu unserem ursprünglichsten Selbst und zu unserer frei fließenden Lebenskraft. Daher fühlen sich so viele Menschen von sich selbst „abgetrennt“, „nicht lebendig“, oder „leer“ und sind zutiefst unglücklich und unerfüllt in ihrem Leben.

Zurück zur Vergebung. Um vergeben zu können müssen wir also die Ursachen für unseren Schmerz ergründen. Dafür braucht es erstmal das Eingeständnis, das uns etwas zutiefst verletzt hat. Wir müssen dann bereit sein uns wirklich auf die Reise zu uns selbst zu begeben, in die uns wenig vertrauten, ja beängstigenden Bereiche unseres Wesens. Wir müssen in die dunklen Keller unseres Unterbewussten hinabsteigen, wo die Monster aus Kindertagen auf uns warten. Wir müssen den Mut aufbringen uns ihnen zu stellen und sie uns genau anzusehen.

Nur wenn wir das tun, werden sie schrumpfen, ihre Fangzähne, Klauen und Stacheln verlieren. Und am Ende werden wir das verletzte kleine Wesen, den Anteil von uns selbst, in ihrer Essenz erkennen. Diese Anteile dann zu bergen und nach oben an unser Alltagsbewusstsein zu bringen braucht Mut. Die eigene Verletzlichkeit, das Gefühl größter Zerbrechlichkeit und Verwundung ist schwer zu ertragen, aber es ist das, was bedeutet, dass wir auf dem allerbesten Weg in unsere Innere Ganzheit zurück sind und heilen.

Tja, und wenn wir unsere verletzten Anteile gefunden und geborgen hast, fängt der Prozess der Vergebung oft noch lange nicht an. Was dann natürlicherweise präsent ist, sind Wut und Trauer. Wir müssen sogar betrauern und fühlen, was wir unser Leben lang vor uns selbst verborgen haben, weil wir es sonst nicht integrieren können. Wir sind wütend auf die Menschen, die uns das angetan haben. Wir zeigen anklagend mit dem Finger auf sie. Und wenn wir in diesem Prozess keine Unterstützung im Außen erfahren, bleiben wir vielleicht längere Zeit in den Ohnmachtsgefühlen des Kindes verhaftet, das wir einst waren und fühlen uns als Opfer der Umstände oder des Lebens. Wir erwarten von den Menschen, die uns so tief verletzt haben, Einsicht, Veränderung, Entschuldigung und Wiedergutmachung. Doch oftmals gibt es diese leider nicht und viele Menschen verharren so bis zum Ende ihres Lebens in dem Schmerz, der im Außen einfach keine Erlösung findet. Doch Groll und Hass lassen uns verbittern. Sie sind wie ein Gift, das wir anderen wünschen, aber uns selbst immer wieder zuführen. Es verdunkelt unser Herz und unser Denken, es verdirbt uns unsere Freuden und es bindet unsere Lebenskraft.

Und hier kommt die Vergebung in’s Spiel. Um uns selbst zu erlösen vergeben wir. Nicht um die Menschen, die uns verletzt haben zu befreien, sondern nur uns selbst. Vergebung bedeutet nicht einfach zu vergessen, wieder zu diesen Menschen zu rennen und uns erneut verletzen zu lassen. Nein, wir sollten aus dem Schmerz lernen und reifen. Die Vergebung ermöglicht uns unsere Selbstverantwortung und Eigenmächtigkeit wieder zu uns zurück zu holen, da wir aufhören die anderen für unseren Schmerz heute, hier und jetzt, verantwortlich zu machen. In Kurzfassung:

How to do

  • wir erkennen an, dass wir tief verletzt wurden
  • wir begeben uns auf die Reise in unser Innerstes
  • wir bergen unseren Schmerz und bringen ihn zu uns nach Hause
  • wir lernen aus dem, was uns widerfahren ist
  • wir erlauben uns Trauerprozesse und Wut
  • wir lernen mit diesem Schmerz umzugehen und zu leben
  • wir entlassen „die anderen“ aus der Verantwortung für unser Leben
  • wir lassen die Vergangenheit los und schauen wieder nach vorn
  • der Schmerz verwandelt sich in Qualitäten
  • wir sind frei unser Leben im Jetzt zu gestalten

Dieser Weg lohnt sich so sehr, da jeder Schmerz sich in uns verwandelt mit der Zeit, wenn wir bereit sind ihn ehrlich zu fühlen. Wir gewinnen so viel Lebensqualität zurück, wir wachsen, wir erlangen geistige Reife, Klarheit, Integrität, Innere Stärke und Resilienz. Wir sind mehr und mehr wieder mit unserer Instinktnatur verbunden, können Entscheidungen wieder aus dem „Bauchgefühl“ heraus treffen, uns freier ausdrücken, werden selbstbewusster, liebevoller mit uns selbst und sicherer in uns.

Es ist wichtig zu wissen, dass du diesen Weg, deine ganz eigene Heldenreise zurück zu deinem wahren Selbst, nicht alleine begehen musst. Menschen wie ich können dir zu Seite stehen und das Licht für dich halten, wenn dir die Beine zu sehr schlottern auf den dunklen Treppenstufen hinab. Denn ich bin selbst da runter gestiegen und weiß, wie verdammt gruselig es sich anfühlt. Eines kann ich dir versichern: Ich bereue nicht einen Tag, dass ich diesen Weg gegangen bin. Er hat mich viel Kraft gekostet, aber mich auch zu der Person gemacht, die ich heute bin und die mich mit Stolz erfüllt.

Deine Hanna Blume

Heilende Hände

Hier kommt eine kleine feine Heilgeschichte, die mich sehr berührt hat und die ich daher mit dir teilen möchte. In meiner therapeutischen Arbeit mit den unterschiedlichen Menschen und ihren unterschiedlichsten Themen, wird es nie langweilig. Es gibt immer wieder irgendetwas Überraschendes, das geschieht. Das macht es ja auch so spannend.

Das Feld der Heilung ist ein unendlich Weites und so unterschiedlich die Menschen und ihre Geschichten sind, so sind es auch ihre Heilwege, auf denen ich sie unterstütze. Manchmal sind diese mäandernd lang, gewunden und führen um viele Ecken, über Berge und durch Täler… und manchmal braucht es nur einen winzigen Anstoß oder Impuls um das „Thema“ aufzulösen. Wenn ich diesen direkt geben kann und sich das Problem innerhalb von Minuten in reinstes Wohlgefallen auflöst, dann freue ich mich natürlich sehr für den Klienten, gerade wenn die Person schon lange darunter gelitten hat.

Und so war es auch mit einem Bekannten von mir, der mir erzählte, dass er einen Schmerz im Rücken habe, der einfach nicht verschwinden wolle. Er sei erst von Arzt zu Arzt und dann von Physiotherapeut zu Physiotherapeut gerannt, zuletzt war er sogar beim Chiropraktiker, aber keiner konnte ihm helfen oder die Ursache ergründen.

Als ich ein Kind war, wollten alle aus meiner Familie immer wieder von mir massiert werden. Irgendwie entspannten sich die Menschen sofort wenn ich sie anfasste und ich konnte, so klein meine Hände auch noch waren, wohl schnell ertasten wo der Schmerz saß und ihn auflösen. Meine Hände wurden dabei immer ganz warm und ich spürte ein strömendes Gefühl in meinem ganzen Körper. Ich handelte ganz intuitiv und dachte mir nichts dabei. Ich konnte halt „gut massieren“- das war alles, dachte ich.

Über die letzten Jahre bin ich aber auf meinem ganz eigenen tiefen Herzensweg in die Blüte gebracht, was ich schon immer in meiner Essenz getragen habe. Mir ist in der Arbeit mit anderen Menschen aufgefallen, dass ich mit meinen Händen „sehen“ kann. Als würde ich den Körper des Anderen „abscannen“, bis ich die Störfelder treffsicher gefunden habe. Und dann knete, drücke und streiche ich ganz intuitiv, während meine Hände warm und manchmal heiß werden. In diesen Momenten lasse ich (mittlerweile bewusst) Energie in den Körper des Anderen fließen, die die Störung so lange umströmt, bis sie sich auflöst.

Was ist diese Energie? Es ist die Kraft, aus der wir alle erschaffen wurden und zu der jeder einen eigenen „Link“, sprich Zugang, hat und die jeder wohl auch anders fühlt, beschreibt oder benennt. Doch egal wie du sie nennen möchtest: Reiki, göttliche Kraft, Heilenergie, Chi oder Liebe… wir haben die Möglichkeit, mittels unserer Aufmerksamkeit und einer klar gesetzten Intention, diese Energie „anzuzapfen“ und durch uns wirken zu lassen, zum Wohle eines Anderen oder uns selbst.

Mein Bekannter- ich nenne ihn hier X- saß also niedergeschlagen mit entblößtem Rücken vor mir, nachdem ich vorschlug ihn zu massieren, und hatte wohl nicht sonderlich viel Hoffnung mehr nach seinem monatelangen Leidensweg. Ich fuhr mit meinen Händen über seinen Rücken und tastete die Muskeln und Sehnen ab, bis mir eine Stelle an seiner linken Schulter zwischen den sich überkreuzenden Muskelsträngen sofort auffiel, die wie zu einem kleinen, steinharten Knoten verdickt und verhärtet war. Ich fasste diesen Knoten und begann ihn sehr sanft und vorsichtig zu kneten, bis er etwas lockerer wurde. Er saß aber sehr tief im Gewebe fest. Dann ließ ich die Energie hinein fließen und griff noch etwas tiefer zwischen die Muskeln. Nach und nach- das alles dauerte vielleicht 5 Minuten, spürte ich, wie die Verhärtung an ihrer Wurzel zwischen meinen Händen weicher wurde und schließlich ganz „schmolz“. Am Ende war von diesem Knoten nichts mehr übrig.

X saß ganz verdattert da, als ich die Hände von ihm nahm. Er bewegte die Schultern vorsichtig, dann mutiger. Er hatte sich eine Schonhaltung angewöhnt über die letzten Wochen, die er nun langsam abstreifte. Er dreht den Kopf und beugte ihn zu allen Seiten. Dann stand er auf, streckte sich und bewegte den Oberkörper. Er dreht sich zu mir um und sah mich mit großen Augen an.

„Der Schmerz ist weg!“ stieß er völlig perplex aus. Dann, nach ein paar Sekunden fassungsloser Stille: „Wie hast du das gemacht?“. Ich lächelte ihn nur an.

Mit den Händen zu heilen ist eine uralte Heilmethode, die viele Völker noch heute anwenden, die aber in unserer westlichen, hochtechnologisierten Gesellschaft wenig Raum findet. Ich halte viel von den alten, intuitiven und- wie sie heute genannt werden – „alternativen“ Heilmethoden, die schon über viele Jahrhunderte so sehr bewiesen haben, dass sie wirken. Viele Leiden können eben nicht über Medikamente oder oberflächliche Betrachtung aufgelöst werden, weil diese die Ursachen nicht beheben. Heilung braucht oftmals Feingespür, Intuition und auch altes Wissen, das wir heute kaum mehr vermittelt bekommen.

Wenn du dir Unterstützung auf deinem Weg wünschst oder mehr über das Heilen mit den Händen erfahren möchtest kannst du mir sehr gerne eine E-Mail schreiben: kinderleichte@gmail.com oder mir auf Facebook: Hanna Blume und Instagram: hanna_blume / heilende_künste folgen.

Deine Hanna Blume 🙂

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